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Bei Kandidatenwatch wurde den Bundestagskandidatinnen und -kandidaten einiger Parteien eine Frage zur Schweinegrippe-Massenimpfung gestellt. Wir führen hier die Antworten auf:
Frage: Was halten Sie von der Schweinegrippepandemie und den riesigen finanziellen Belastungen für die Krankenkassen? Gibt es einen wissenschaftlichen Beweis von krankmachenden Viren? Wenn ja wo ist er dokumentiert?
Antwort von Matthias Dietrich, ödp
Ich persönlich halte von der geplanten Massenimpfung gegen Schweinegrippe nichts. In meinen Augen gehen die verantwortlichen Politiker - wie so oft - Lobbyisten auf den Leim. Diesmal erhofft sich die Pharmaindustrie lukrative Einnahmen. Dabei sind die Impfstoffe noch nicht ausreichend getestet. Außerdem hat die Schweinegrippe bisher keineswegs pandemische Ausmaße angenommen, sondern ist meist glimpflich verlaufen. Der Berater der britischen Regierung, Sir Roy Anderson, der die Bewertung der Schweinegrippe als Pandemie forciert hat, bezieht jährlich 136000 € von GlaxoSmithKline. Von dieser Firma stammt u. a.der Impfstoff PANDEMRIX. Mit der geplanten Massenimpfung werden völlig unnötig die Krankenkassen und damit auch die Beitragszahler belastet. Das ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie die Regierungsvertreter unter dem Deckmantel der Fürsorge für die Bürger der Großindustrie dienen. Eine solche Politik wird durch Konzernspenden an die Parteien begünstigt. Um solche Verflechtungen von Wirtschaft und Politik zu vermeiden, nimmt die ödp als einzige Partei keine Konzernspenden an. Ich selbst bin der Meinung, dass nur bei wirklichen Risikofällen geimpft werden sollte, obwohl ich auch bei diesen angesichts der nicht ausreichenden Testphase der Impfstoffe Bedenken habe. Die Existenz des Schweinegrippen-Virus ist meines Wissens nicht nachgewiesen, zumindest weiß ich nichts von einem Beweis. Als Nicht-Mediziner kann ich nichts zum Nachweis sagen. Bisher kenne ich die Formulierung, dass es "stark angenommen" wird. Auch zur Existenz der weiteren von Ihnen angedachten Viren kann ich nichts sagen. Ein fehlender Nachweis von Viren würde natürlich einen noch kritischeren Blick auf Impfaktionen erfordern.
Antwort von Annette Widmann-Mauz, CDU
Mit der sog. "Schweinegrippepandemie" ist das weltweite Auftreten einer großen Zahl von Influenza-Erkrankungen gemeint, die durch einen im Jahr entdeckten Influenzavirus-Subtyp hervorgerufen werden. Das Virus der Schweinegrippe wurde erstmals 1930 isoliert. Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung werden zumeist in englisch sprachigen Seither zirkulieren Viren des Subtyps A/H1N1 in Schweinen. Heute sind weitere Typen (H1N2, H3N1, H3N2) bekannt. Die Variante H3N2 wurde erstmals 1998 bei Schweinen nachgewiesen Wissenschaftszeitung veröffentlicht, beispielsweise in der international anerkannten Zeitschrift Science.. Nach der Häufung von solchen Krankheitsfällen mit dem H1N1-Subtyp in Mexiko und Hinweise auf eine Verschleppung der Viren über die Landesgrenzen warnte Ende April 2009 die Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor einer weltweiten Verbreitung (Pandemie). Anfang Juni 2009 wurde die Warnung auf die höchste Alarmstufe hochgestuft. Die enorme Aufmerksamkeit und der Umfang der getroffenen Maßnahmen liegt darin begründet, das ein anderer H1N1-Subtyp die Grippe (Influenza)-Pandemie 1919/20 (sog. "Spanische Grippe" mit vielen Todesopfern verursacht hatte. Nach Einschätzung des Bundesgesundheitsministeriums ist nicht davon auszugehen, dass die gesetzlichen Krankenkassen wegen der Kosten der Influenzaimpfung Zusatzbeiträge erheben müssen. Die vorläufigen Finanzergebnisse der Kassen für das erste Halbjahr 2009 weisen einen Überschuss von 1,2 Mrd. Euro aus. Zudem konnten sie durch die Überschussentwicklung der letzten fünf Jahre bis Ende 2008 wieder Finanzreserven von rd. 4,9 Mrd. Euro aufbauen.
Antwort von Martin Rosemann, SPD
Ich halte nichts davon, die Schweinegrippe gefährlicher darzustellen als sie ist. Fakt ist, dass in Deutschland bis August 2009 lediglich 1250 Fälle bekannt wurden. Europaweit starben laut www.aerztezeitung.de gerade mal 145 Menschen an der Schweinegrippe (Stand: 18. September 2009, 9:30 Uhr). Natürlich ist jeder Verstorbene ein Verstorbener zu viel. Aber man darf nicht übersehen, dass allein in Deutschland jährlich vier bis zehn Prozent der Bevölkerung an einer "normalen Influenza" erkranken und 5 000 bis 15 000 Deutsche jährlich an einer gewöhnlichen Grippe sterben. Im Normalfall verläuft eine Schweinegrippe ähnlich wie eine gewöhnliche Influenza oder sogar harmloser. Das heißt natürlich nicht, dass man die Krankheit und ihre Verbreitung nicht ernst nehmen müsse. Im Gegenteil. Aber unser Gesundheitssystem scheint stark genug zu sein, um einer schnellen Verbreitung und vor allem Todesfällen entgegenzuwirken.
Anders sieht das zum Beispiel in den USA aus. Dort gab es bis August 2009 bereits über 500 Tode, was Experten der Tatsache zuschreiben, dass das dortige Gesundheitssystem die Armen der Gesellschaft nicht schützt. Die gute medizinische Versorgung erreicht die Menschen dort nicht. Und deshalb sehe ich auch kein Problem darin, dass eine solche Pandemie die Krankenkassen belastet. Schließlich ist es gemäß § 1 SGB V Aufgabe der gesetzlichen Krankenkassen die Gesundheit der Versicherten zu erhalten, wiederherzustellen oder ihren Gesundheitszustand zu bessern. Dass Menschen, die erkranken, die Solidargesellschaft in der Form belasten, dass sie Leistungen ihrer Krankenkasse in Anspruch nehmen, ist in meinen Augen eine Selbstverständlichkeit und das Prinzip unseres Gesundheitssystems. Streiten kann man vielmehr über Sinn und Unsinn der geplanten Massenimpfungen gegen die Schweinegrippe. Das Arzneimitteltelegramm, eine Zeitschrift für Ärzte und Apotheker, warnt davor, dass der Impfstoff gegen die Schweinegrippe Zusatzstoffe enthält, der die Wirkung der Impfung verstärken soll. Diese Art der Impfung ist aber noch nicht ausreichend getestet, sodass eine Massenimpfung mit diesem Impfstoff einem Massenversuch gleichkommt. Das darf auf keinen Fall geschehen. Natürlich müssen vor allem Ältere und Kranke vor einer Ansteckung geschützt werden, aber wir dürfen nicht ausreichen erprobte Impfstoffe auf keinen Fall einsetzen. Zuletzt fragen Sie noch, ob es einen wissenschaftlichen Beweis für den krankmachenden Virus gibt. Der Virus A/H1N1 wurde das erste Mal 1930 bei Schweinen nachgewiesen. Ich gehe also davon aus, dass es einen wissenschaftlichen Beweis gibt. Außerdem befinden sich auf der Homepage der Centers for Disease Control and Prevention (kurz: DCD), einer Behörde, die dem amerikanischen Gesundheitsministerium unterstellt ist, Fotografien des A/H1N1-Virus http://www.cdc.gov/h1n1flu/images.htm)." target="_blank">www.cdc.gov Mir scheint also, dass die CDC einen wissenschaftlichen Beweis erbracht haben. Aber ich bin wie gesagt kein Virologe und kann ihnen diese Frage somit leider nicht letztgültig beantworten.
Antwort von Winfried Hermann, Die Grünen
Derzeit deutet vieles darauf hin, dass das Risikoniveau und die Dynamik der Schweinegrippe deutlich überschätzt wurden. Weder die bisherige Zahl der Krankheitsfälle in Deutschland noch der Krankheitsverlauf rechtfertigen hierzulande Katastrophenszenarien. Und dass hinter solchen Übertreibungen auch massive ökonomische Interessen der Pharmaindustrie stehen, lässt sich nicht wegwischen. Allerdings muss man auch einräumen, dass es in anderen Ländern bereits viele Todesfälle gegeben hat. Bisher sind es weltweit rund 3.000. Außerdem ist es enorm schwierig, in einem dynamischen Erkrankungsgeschehen rechtzeitig und verlässlich Prognosen zu erstellen. Die Politik wandert damit auf einem extrem schmalen Grat zwischen Über- und Unterschätzung des Risikos. Vor diesem Hintergrund halte ich ein Impfangebot an die Bevölkerung nicht für falsch. Allerdings müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein. Dazu gehört die strikte Freiwilligkeit der Impfungen und die Aufklärung der Bevölkerung über mögliche Nebenwirkungen. Wichtig finde ich auch, dass endlich die Frage der Lagerung und der Verwendung von nicht verwendeten Dosen geklärt wird. Schließlich sprechen jüngste Umfragen dafür, dass deutlich weniger Dosen gebraucht werden, als bestellt.
Da ich kein Virologie-Experte bin, kann ich wenig zu den wissenschaftlichen Beweisen für den krankmachenden Virus sagen. Allerdings weiss ich, dass H1N1-Virus im Frühjahr dieses Jahres zuerst in den USA entdeckt wurde. Die Untersuchungen wurden am Centers for Disease Control and Prevention durchgeführt. Das ist die US-amerikanische Behörde, die für den öffentlichen Gesundheitsschutz zuständig ist.
Klaus Bucher, FDP: Am 22. September 2009 lag noch keine Antwort vor.
Heike Hänsel, Linkspartei: Am 22. September 2009 lag noch keine Antwort vor.